Samstag, 14. Dezember 2013

Beginn eines Jahresrückblicks 2013





Ruhrgebiet. Mischtechnik auf Papier/ Holz, 20 cm x 20 cm



Endlich! Nach einer sehr ruhigen Zeit, die aufgrund verschiedener trauriger Ereignisse ziemlich uninspiriert war, kommen mir wieder neue Ideen. Hier habe ich mit der Radiernadel gezeichnet. Das gibt es zwar sicher schon, ist aber andererseits „nicht so“ verbreitet.
Ferner habe ich begonnen, von Fotos/ Fotopapier zu drucken, was aber weniger für meine eigene künstlerische Arbeit wichtig ist, sondern vor allem in meiner Kunst-AG „Kunst in der Grundschule“ (freundlicherweise gesponsert von der Bürgerstiftung Wir für Meerbusch) zum Einsatz kommt.

Ja, und damit habe ich im Grunde schon einen Fuß in die Tür zum Jahresrückblick 2013 gestellt. Momentan etwas früh, denn gut zwei Wochen hat das alte Jahr noch, um sich weiterhin so oder so zu entfalten – oder eben in Seelenruhe seinem Ende entgegen zu laufen, um den Staffelstab dann dem 2014er Jahrgang in die Hand zu drücken.

Leider starb im Januar 2013 eine ganz liebe Freundin von mir, Susanne, die ich 35 Jahre kannte, mit der ich beinahe-buchstäblich durch Dick und Dünn gewandert war. Eine sehr traurige Geschichte, wenn man mit 51 Jahren die Welt verlassen muss, auf der man so gerne noch geblieben wäre. Wir Zurückgebliebenen mussten uns damit trösten, dass sie sehr intensiv und aktiv gelebt hat, dass sie immer und immer etwas bewegen wollte; ich hatte sie – als sie 16 war – bereits als reifen, kritischen, tatkräftigen Menschen kennen gelernt. Vielleicht ist unser Zeitgefühl einfach falsch? Oder auch unsere Zeitrechnung? Kommt es vielleicht eher darauf an, mit wie viel Sinn man sein Leben gefüllt hat? Wie viel man bewegt hat, wie viele Menschen man an die Hand nahm, ihnen eine inspirierende Perspektive gab?
Susanne hat vor vielen Jahren, als ich meine ersten Gedichte schrieb, gemeint: „Ist Mist. Aber mach weiter!“ Kurz nach ihrem Tod erhielt ich die Nachricht, dass ich für den Dorstener Lyrikpreis nominiert war. Das hat mich sehr gefreut, und Susanne hätte es auch super gefunden. Danke, dass Du mich, wie so oft, motiviert hast.

Auf zwei ausgesprochen unschöne Jahre, zu denen ich den Januar ’13 irgendwie auch noch zähle, folgte eine wohltuende „aktive“ Ruhe, für die ich sehr, sehr dankbar bin. Erste Ideen begannen wieder zu sprießen, neue Perspektiven taten sich auf: Es kamen wieder mehr berufliche Anfragen, zwei (Honorar-)Tätigkeits-Angebote, Bilderkäufer, der Abdruck einiger Menschenbilder in einer theologischen Zeitschrift und natürlich einige wunderbare Ausstellungen. Gern denke ich an die Ausstellung in der Immanuelskirche Wuppertal, im Kunstverein Fulda oder im Karl Ernst-Osthaus-Museum Hagen (dort war ich mit einem 16-teiligen Ensemble eingebunden). Die Doppelausstellung in der Evangelischen Kirche Osterath und der Galerie Mönter (ebenfalls Osterath) mit einigen Kolleginnen vom Verein Düsseldorfer Künstlerinnen war organisatorisch eine Aufgabe, ich glaube allerdings, bis auf ein paar kleine Details ist mir das Ganze recht gut gelungen.
Einige schöne Foto-Touren mit Andreas ergaben sich noch einmal, ich denke aber, unser 2-Generationen-Team löst sich so langsam auf: Andreas geht seine eigenen Wege. An die Entdeckungsreisen mit der Kamera zu (und: in) wunderbaren historischen Gebäuden denke ich dankbar zurück: Es waren schöne, gemeinsame Zeiten, durchaus auch produktiv, die mich von so manchem Schmerz und Leid abgelenkt haben.

Nach der Auszeichnung für meine Lyrik schien eine Art Schalter umgelegt zu sein: Fortan wurden meine Texte fast nur noch abgelehnt, das Anfängerglück wurde offenbar von der deutlichen Aufforderung überwachsen, das Schreiben nun ernsthaft(er) anzugehen. Willkommene Trainingseinheiten waren die Lyrik-Monate („frapalymo“) von Sophie Paulchen: Sowohl im Mai als auch im November hieß es, täglich ein themengebundenes Gedicht zu schreiben. Das ist durchaus eine Herausforderung, auch zeitlich: Manchmal habe ich an die vier Stunden an einem Text geschrieben und gefeilt, was meinem Tagesprogramm nicht immer gut tat. Aber es war allemal eine sinn- und anspruchsvolle Übung auf meinem Weg.

Die Teilnahme an diesem Projekt war übrigens online generiert. Ich finde es fantastisch, welche Mitmach-Anregungen das „böse“ Netz bieten kann (wenn man nur weiß, wo man suchen muss). So ist auch meine Mitarbeit am Blog Der schwache Glaube – der christliche Glaube zwischen Moderne und Religion zustande gekommen. Mein Sein in der Kirche, seit ich denken kann eine Mixtur aus ziemlich kritischer Haltung (also großer Ungeduld) und tiefer Spiritualität (mit entsprechender Geduld), bekam noch einmal neue Facetten zum Nachdenken und -leben: zum Beispiel den Ansatz, eine alte, trotz vieler Fauxpas-Geschichten doch bewährte Kultur mit Leben zu füllen, anstatt sie als bloße Hülle mit durchs Leben zu schleppen, „weil es schon immer so war“. Ich sehe einen wesentlichen Teil von Tradition, den man achten sollte – die alten Kirchen mag man gerade deshalb als „ehrfürchtig“ empfinden, weil sie über so viele Jahrhunderte das Leid, die Hoffnung, die Freude über einen Neubeginn der Menschen aufgenommen haben. Aber das ist eben nur der eine Teil; mit Leben füllen heißt auch – und das lerne ich gerade –, die Inhalte neu zu ordnen und zu akzentuieren, je nachdem, was der Zustand der Gesellschaft gerade fordert. Die Trägheit, die in „der“ Kirche dem gegenüber oftmals noch herrscht, muss sich nicht wundern, wenn die gesellschaftlich-spirituellen Bedürfnisse der Menschen inzwischen ganz woanders angesiedelt sind. Anstatt zu jammern oder gar mit dem Finger darauf zu zeigen, dass Menschen sich der Esoterik zuwenden oder, auf der anderen Seite, einem zeitweise sogar missionseifrigen Atheismus, hätte man längst diagnostizieren müssen, wo die Krankheiten der Gesellschaft eigentlich liegen und ob sie vielleicht doch zu lindern sind. Ich arbeite jedenfalls daran, die Bibel als Literatur zu lesen, mit ganz vielen Bildern, deren Aussage uns alle irgendwie betrifft und deren Kern zwar bleibt – das mag der Begriff Wahrheit bedeuten –, deren Detailinterpretation sich aber mit den Zeiten wandelt insofern, als sich die Frage gar nicht stellt, ob die Geschichten sich „so“ zugetragen haben. Vielmehr sind sie genau so zusammengetragen worden, um uns in ihrer Essenz einen Spiegel vorzuhalten, wie wir als Menschen sind und sein können, sein könnten. Welches Potenzial wir haben, die negativen Kräfte inbegriffen, und wie wir in unserem Leben damit zurechtkommen können, wie wir uns selbst verwirklichen: als Individuen in einer Gemeinschaft – deren Teil wir, zum Glück oder notgedrungen, je nachdem, eben sind.

Das Jahr ist noch nicht zu Ende. Aber ich kann jetzt schon sagen: Es waren Monate drin, auf die ich voller Dankbarkeit blicke.

Marlies Blauth










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