Mittwoch, 12. April 2017

Kurzprosa [journal de rêves]







journal de rêves


im elternhaus kaum ruhe. immerzu e-musik, küchengeräusche, redeschwall.

ich erwarte keinen reformrausch. ich erwarte keinen reichtum im elenden kleinen rumpelraum. innerlichkeit. ekel, klausur, radikalität.

ich erkenne kein rot. indigo, ei-weiß, knackbraun, rhabarbergrün, irdischgelb, eisenschwarz – kein rubin(rot) im eigenheim. kerbenretina. redbull. ich erblinde!
klagende rhythmen im eifernden kleinhirn – reizwellenüberfluss.

immer etwas kränklich. rachitisch in eigener kompromisslosigkeit. raumspaziergänge.
ich erbebe, kotze, renne irgendwohin. eile kleinlich-reinlich in enger knapper radlerhose. ich.

erwandere klamme regenwälder, idealerweise ein knielanger rauchmantel, immer eine kopfbedeckung, rundgeschlungen. ich erwische klitzekleine rebelmücken, irre eintagsfliegen, kaspernde rötelmäuschen, ich entscheide, kichere, raste – im erdfeuchten krachenden rauschwald.

immer ein kluger rat: ich esse keine regenwürmer.







Bild und Text: © Marlies Blauth








Gedicht [Ave Maria]



















Ave Maria


Meine Knöchel hab ich mir
wundgebetet vor deinem Bild

gebenedeit ist die Frucht deines Leibes!

als das Kind nicht
aus meinem Schoß wollte
und ich es zwölf Jahre trug
seine vom Teufel verformten Glieder


Wie schön meine Tochter
an jenem Tag lachte!
Dem gnädigen Gott
mit den Gehstöcken winkte
und glücklich ins Paradies
hinein lief –

bitte für uns Sünder
dem Bettelmönch schenkte ich
einen schweißigen Taler

Muttergottes! In der Stunde unseres Todes
als alle Bilder in Flammen stehen
Glasscherben uns ins Augenlicht schneiden
der Staub des Zorns jeden Menschen erstickt

da legen wir uns
in deine Arme,
für immer




bezieht sich auf eine Szene im Film Martin Luther/ 2003

Bild und Text ©Marlies Blauth







Gedicht [Stalker]
















Stalker


Des Morgens singt
seine Stimme meine Musik
und träufelt mir süßes
Legato ein.

An alles und alles
sind seine Augen gesteckt
er säuselt wie fein
der Glaskasten glänzt
in dem ich wohne.

Ich schwitze am Tisch
als schrilles Läuten
von überall
in meinen Magen sticht
zerkaue den Knorpel
der ständigen Fragen –
mein Kopf drahtet
Sturmrufe in die Welt:
nirgends ein Ort
der mir gehört.

Und finde schon wieder
seine Schrift:
Du hast doch Hunger.
Ich habe ein Brot
vor deine Tür gelegt.







Bild und Text: ©Marlies Blauth 












Dienstag, 11. April 2017

Gedicht [Wenn der Tag Farben trägt – ]











Wenn der Tag
Farben trägt –


Koste sie
bevor deine Augen wieder
lichtscheue Höhlen bewohnen
Der Nachtregen legt dir
Stücke von Onyx
vor deine Fenster

Mit Wasser – du bekommst
silbersauberes –
benetzt du dir Lider und Stirn
Die Perlmutter schweigt
In der Schale aus Porzellan
Granatapfeltropfen

Du nippst einen Kaffeeschluck
in der Frühe – dunkeltopas
grünt es draußen
Du siehst durch gläsernen Glanz
wenn du die Gazegardinen
der Müdigkeit wegziehst




Bild und Text © Marlies Blauth






Montag, 3. April 2017

Anthologie "Die süße Jagd nach Bitternissen"








Stefan Hölscher / Kathrin Külow / Holger Dauer / Alfred Büngen (Hrsg.).
Die süße Jagd nach Bitternissen.
Aphorismen und Gedichte.

Mit Texten von Sigune Schnabel, Marlies Blauth, Britta Lübbers, Katharina Körting, Holger Evang-Lorenz und anderen.

Geest Verlag 2017, 11 €











Donnerstag, 30. März 2017

STILLE | ZEICHEN in der Galerie Mönter, Meerbusch










Erste Einblicke in die Ausstellung.










STILLE | ZEICHEN

Marlies Blauth
Zeichnungen

Mechthild Weidenbach
Holzschnitte

31.3. – 1.5.2017

Vernissage:
Freitag, 31. März 2017, 19 – 21 Uhr

Einführung: Helga Weidenmüller

GALERIE KONRAD MÖNTER KG
KIRCHPLATZ 1 - 5 • 40670 MEERBUSCH-OSTERATH

geöffnet
Mo, Di, Do, Fr  9 – 13 + 15 – 18.30 Uhr
Mi + Sa  9 – 13 Uhr und nach Vereinbarung