Freitag, 23. September 2022

Lesung II – herzliche Einladung

 











Aus dem Newsletter des Veranstalters:


Samstag, 8. Oktober 19.30 h

 

Den Anfang des Kulturprogramms im Weinhandel La Passion du Vin (Alt-Niederkassel 71, 40547 Düsseldorf) macht Marlies Blauth aus Meerbusch. Die 1957 in Dortmund geborene, Künstlerin und Autorin stellt Ihr Programm "Sichtbares | Unsichtbares" vor. In gut 45 Minuten trägt sie eigene Geschichten und Gedichte vor. Anschließend gibt es noch etwas Zeit für Gespräche.

Marlies Blauth war über 20 Jahre Lehrbeauftragte an der Universität Wuppertal und hat drei Lyrikbände veröffentlicht:

zarte takte … (2015), Dornröschenhaus (2017) und Bilder aus Kohlenstaub (2021).

 

Dauer: ca. 1h, Eintritt: 8 Euro

 

Zu allen Terminen könnt Ihr Euch telefonisch 0211 9542745 oder per Mail anmelden.

 








Lesung I – herzliche Einladung









 










Mittwoch, 21. September 2022

Aktion Malen nach Zahlen in Dortmund

 





MNZ – eine Performance mit der Dortmunder Gruppe

Malen nach Zahlen als Persiflage auf Discounterkunst

 

Ein Bericht

 

 

Lerne aus den Fehlern anderer. Du kannst nicht lange genug leben, um sie alle selbst zu machen!

 

So schallt es unangenehm es aus dem Megaphon; während wir alle auf unserem zugewiesenen Platz an der Malstraße sitzen oder stehen und emsig unsere jeweilige Aufgabe erledigen.

Noch grinse ich, wenn auch etwas genervt – „Ich würde lieber riskieren, erschöpft zu sein, als zu rosten“, trötet es derweil –, aber da kommt auch schon die Aufseherin, haut mit dem Stock auf meinen Tisch und schimpft, dass wir arbeiten sollen, anstatt zu reden oder gar zu lachen.

In der Tat haben wir nichts zu lachen, denn wir sind heute Leibeigene des Kunstbetriebs, wir haben zu produzieren, damit sich die Wandfläche nach Plan füllt. Jeder malt seine Flächen aus, immer dasselbe, immer dieselbe Farbe. Kunst als höchst unkreativer Vorgang, als seelenlose Massenproduktion, als Sklavenarbeit.

Im Hintergrund ein taktgebendes Klack|klack|klack|klack …, dessen Unerbittlichkeit mich später bis nach Hause, sogar in den Schlaf verfolgen wird.

 

„Und das erste Bild befindet sich in der Eeeendkontrolle …“

 Ich habe immerhin das winzige Glück, Springerin zu sein, da kann ich innerhalb der stupiden Tätigkeit tatsächlich auch einmal wechseln. Und durchatmen.

Klack|klack|klack … Wir sind zu langsam, der Takt stimmt nicht. Irgendwo stauen sich Bilder, die Frau mit dem Stock kommt und mahnt. „Du musst nicht die ganze Treppe sehen, mach einfach den ersten Schritt,“ schrillt das Megaphon. Jaja. Die ersten Kräfte schwinden, wir sagen nicht mehr viel, sondern arbeiten nur noch, versuchen, gewissenhaft und schnell gleichermaßen zu sein. Sehen selbst, dass es nicht fix genug geht, können uns ausrechnen, wie viele Stunden wir noch brauchen, wenn wir uns nicht verbessern. Fünf „endkontrollierte“ Bilder hängen an der Wand; vierzig sollen es werden.

Ich „springe“ nicht mehr, sondern bekomme – und das begeistert mich fast – einen neu eingerichteten Job. Einige haben vor lauter Getriebensein und Stress ihre Arbeit nicht vollständig erledigt, hier und da bleibt ein Feld unausgemalt. Ich soll nun mit der Vorlage vergleichen und Vergessenes ergänzen. Was doch sehr nach Kontrolle klingt, lässt mich in Wirklichkeit aufleben: denn ich habe nun als Einzige mehrere, verschiedene Farben zur Verfügung, denn einmal fehlt etwas Gelb, dann wieder Schwarz oder Grün. Dieser Hauch von ungeahnter Schöpferkraft ist wie ein Lichtblick; ins Gelb mischt sich, allein aus lauter Eile, ein Quentchen Rot, ins Schwarz ein Restchen Grün. Ich weiß, das soll es nicht, aber … und dieses kleine Stückchen Individualität ist wie ein tröstendes Etwas – ich hinterlasse eine winzige Spur einer Mischfarbe, die es im Nachbarbild so nicht gibt. Gut, dass die Frau mit dem Stock nicht neben mir steht. Aber ich kann ja nicht bei jedem Farbwechsel zum Wasserkran rennen.

Noch immer sind wir zu langsam –



Vorlage in klein: So soll das Endprodukt aussehen


Und dann ergibt sich etwas, ja, eigentlich Wunderbares: Wir setzen uns über die „Gesetze“ hinweg, entscheiden selbst. Weil ich fast nichts mehr ergänzen muss, bekomme ich nun die halbe Aufgabenportion von einem Kollegen zwei Plätze vor mir (ich habe ja alle Farben), bei dem sich Bilder stauen; so geht es zügig weiter. Zwei andere tauschen ihren Arbeitsplatz, denn nicht Jedem liegt das Kleinteilige, Genaue, einem Anderen nicht das großzügige Vollenden des Hintergrundes. Plötzlich sind wir, wenn auch auf kleinster Stufe, wieder Individuen, Menschen mit Stärken und Schwächen, die sinnvolle Entscheidungen treffen. Es weht, wenn man so will, ein guter Geist.

Was die Kunst nicht besser macht, sie bleibt, wenn auch handgefertigt, industriell, ohne persönlichen Duktus. Aber das war ja auch bezweckt: Kunst aus Massenproduktion zum Dumpingpreis von 19,89 € – wer sich ein solches Werk hat reservieren lassen, kann es am 2. Oktober 2022 abholen, denn dann endet die Ausstellung. Die Ausstellung eines Bildes in vierzigfacher Ausführung. (BIG-Gallery Dortmund)

 

 


 

Marlies Blauth (Text und Fotos)














 

 


Dienstag, 20. September 2022

Offene Ateliers in Meerbusch













Samstag, 24.9.2022

15 bis 19 Uhr

Sonntag, 25.9.2022

11 bis 17 Uhr


OFFENE ATELIERS 

in Meerbusch






Montag, 19. September 2022

Jahrbuch Lyrik 2022

 







Gedicht Tabu-Thema 

 

in: Jahrbuch Lyrik 2022, Hg. AG Literatur, Edition AS, St. Wolfgang / Austria 2022

ISBN 978-3-903335-23-3

 













Montag, 29. August 2022

#Herbarium Tagebuch | 16

 







Eigentlich sollte diese Ausstellung erst im Herbst 2023 stattfinden, denn dann sind es zwanzig Jahre, in denen ich das Projekt "Kunst in der Apsis" organisiere und betreue.

Nun ergab sich jedoch – wegen Erkrankung der eigentlich vorgesehenen Künstlerin – kurzfristig eine Lücke, die ich aus verschiedenen Gründen selbst ausfülle. Einer davon: Tatsächlich starteten die Ausstellungen bereits im Herbst 2002, damals noch initiiert von Falk Neefken, Pfarrer i. R. von Osterath, Superintendent i. R. des Kirchenkreises. Seiner Idee ist es also zu verdanken, dass die Evangelische Kirche Osterath ein Kunstprojekt verwirklicht hat, das es in der Form selten gibt: Außer in der Weihnachtszeit mit ihrer Dekoration ist in der Kirche immer Kunst zu sehen, die sich auf die Themen der jeweiligen Zeit im Kirchenjahr bezieht und entsprechend wechselt.


 



Aus dem Pressetext:

Jetzt beginnt der Spätsommer und damit die Erntedankzeit.

Marlies Blauth zeigt Florale Ornamente, Bilder in bandartigen Querformaten, technisch gesehen Malerei mit Collage kombiniert. Die Idee kam ihr 2020 in der Neuwerkkirche in Goslar, einer romanischen Kirche mit Ausmalungen aus dem 13. Jahrhundert. Neben Heiligendarstellungen gibt es immer auch abstrakte und florale Zierbänder zu sehen. Genau diese inspirierten die Künstlerin, einzelne Formen- und Farbendetails aufzunehmen und in ihren Bildern zu verarbeiten. Dabei möchte sie weder die alte Kunst kopieren, noch hält sie sich an das streng-Ornamentale: Ihre Arbeit ist, bis auf wenige Ausnahmen, ein Spiel mit der Variation – ganz in Entsprechung zur Natur, wo zwar der "Bauplan" der Pflanzen gleich ist, das Erscheinungsbild aber immer unterschiedlich (Größe, Farbintensität usw.). 





Erwähnenswert ist die Benutzung von Teebeutelvlies, also Resten von Schwarzem und Grünem Tee. Das Vlies selbst – übrigens ein Gewebe pflanzlichen Ursprungs – fühlt sich an wie ein zartes Blütenblatt, wenn es geleert, aufgeschnitten und getrocknet ist. Die Zufallsstrukturen des Tees erinnern indes an Verwitterungen oder Ausblühungen alter Mauern. Das "Tee-Material" wurde also nicht willkürlich eingesetzt, sondern es verbindet, ästhetisch nachvollziehbar, das florale Thema mit der Wandmalerei. 







Was also 2020 langsam begann, wurde 2022 zu einem Stipendienprojekt des Landes NRW: Marlies Blauth besuchte zahlreiche Kirchen und recherchierte. Neben mittelalterlichen Ausmalungen wurden – fast noch mehr, weil deutlich "pflanzlicher"– die Malereien um 1900 interessant, als sich der Repräsentationswille der Kaiserzeit mit dem Jugendstil zusammentraf. Die All-over-Dekorationen können durchaus befremdlich wirken, gleichzeitig aber strahlen sie Lebendigkeit und Wärme aus, und gegenwärtig können sie sogar als Hinweis auf Natur und ihre Ökologie gesehen werden. Damals war man zwar noch nicht so weit, hatte aber durchaus schon die Natur im Blick: Architekten entwarfen "gesunde" Gartenstädte,  die Kleidung wurde bequemer ("Reformkleider") usw. Die ornamentalen Ausmalungen in den Kirchen wirken oft orientalisch. In den alten Kirchen (z. B. St. Maria zur Höhe, Soest) ist der Bezug zu Byzanz einerseits, das "Mitbringen" orientalischer Formensprache durch Reisende andererseits ablesbar. In den neueren, gut einhundert Jahre alten Kirchen (t. B. ev. Hauptkirche Rheydt) muss die Verbindung des deutschen Kaiserreiches zum Osmanischen Reich eine Rolle gespielt haben. Viele Fragen dazu scheinen aber noch offen zu sein. Interessant ist aber auch, dass es wenig theologische Bezüge gibt (außer Weinreben, Lilien, Rosen).

 






Marlies Blauth selbst hat viele Entdeckungen machen können, hinter grauen Kirchenmauern verbergen sich manchmal ungeahnte Kostbarkeiten. Die Bilder der Künstlerin sollen auch ein ausschnitthafter Hinweis darauf sein. 

Blätter, Blüten, Früchte und Wurzeln sind bekanntlich vielfach essbar und werden dementsprechend geerntet: Was in den ausgemalten Kirchen ganzjährig zu sehen ist, wird hier in der Evangelischen Kirche Osterath zur Erntedankzeit gezeigt. 





 

Zur Künstlerin: Marlies Blauth, *1957 in Dortmund, lebt und arbeitet seit 30 Jahren in Meerbusch. 21 Jahre war sie an der Universität Wuppertal Lehrbeauftragte für Druckgrafik und experimentelle Grafik, sie zeigte (und zeigt) ihre Arbeiten in zahlreichen Ausstellungen. Seit 2006 veröffentlicht sie auch Literarisches (v. a. Lyrik). 

 



 

Die Ausstellung in der Ev. Kirche Osterath geht bis Ende Oktober. 

Eröffnet wird sie am Sonntag, dem 4. September 2022, um 11.3o Uhr – mit einer Begrüßung von Falk Neefken und einer kurzen Einführung von Marina Jenkner. 

Alte Poststraße 15, 40670 Meerbusch-Osterath

Zu besichtigen ist die Ausstellung mittwochs bis freitags 9 – 12 Uhr, außerdem nach Vereinbarung unter 0175 52 180 83. Die Gottesdienste finden in der Regel sonntags um 10 Uhr statt. 


Marlies Blauth


Text und Fotos © Marlies Blauth

 

 




 

Samstag, 13. August 2022