Wie man zu einer Problembärin wird, ohne es zu wollen
Eine Glosse in Pink … äh, Magenta
Die Geschichte beginnt damit, wie solche Geschichten immer beginnen: Eines schönen Dienstags wurden wir – von jetzt auf gleich – zu fast-analogen menschlichen Existenzen gemacht. Beinahe alles Digitale, bis auf Handys und Tablets, war wie weggehext. Und es blieb tot, da konnte man hoffen und aus- und einstöpseln wie man wollte. Mausetot.
Da ich in der misslichen Lage keine Lust hatte, mich mit KI-Telefongesprächen („-gesprächen“) abzuplagen, sondern lieber einen lebenden Menschen treffen wollte, fuhr ich also in die nächste Stadt, wo es einen dieser dunkelrosa Läden gab. „Es ist ziemlich sicher der Router!“, behauptete einer der sportlich-attraktiven jungen Männer, „schade, dass Sie Ihren nicht gleich mitgebracht haben für einen Austausch“. Meine Einwände waren zahlreich: „Den haben wir noch gar nicht lange!“ – „Och, der eine hält eben länger, der andere geht schnell kaputt!“ – „Und: Wir haben vor dem Haus eine große Baustelle, könnte da nicht …“ – (Totstellen … denn was labert die Frau da, die von nix ne Ahnung hat) – „Einen neuen kann ich leider nicht installieren!“ – „Sie werden doch wohl einen Stecker in die Steckdose stecken können! Alles andere macht das Gerät selbst!“ Nun, das ließ hoffen. Aber zuvor veranlasste ich doch noch, dass man mal prüft und misst (das geht ja wirklich, so aus der Ferne … faszinierend!), woran „es“ eigentlich liegt. Die Baustelle könnte ja schließlich doch der Bösewicht sein. Oder nicht?
Wir vereinbarten, fast besser als in einer Arztpraxis, einen Rückruf an mich (mit Infos über die Ursache) um 9 Uhr am übernächsten Tag. Man hätte also stundenlang messen und prüfen können … aber irgendwie hatte das irgendwer dann wohl doch nicht auf dem Schirm oder sonstwo. Der Anruf, der meinen Router hätte rehabilitieren können, kam einfach nicht.
So schnappte ich mir das angeblich defekte Teil und fuhr nochmals zu meinem Ziel in Pink. Der Austausch ging in nullkommanix, leider war die Miete für das hochmoderne Dings ein paar Euro teurer (was meine Laune umgekehrt proportional ein paar Zentimeter runterrutschen ließ … aber wat mut dat mut), ich vergewisserte mich, ob das nun auch stimmt mit „nur in die Steckdose“ („Jajaja, das ist nicht mehr so wie früher!“).
Zu Hause schafften wir zwei Dinge: Erstens die Steckdose, zweitens den
Namen der Neuerwerbung auf den Endgeräten wiederzufinden … aber die digitale
Verbindung blieb ein Wunschtraum.
Als unsere Nachbarn aus ihrem Urlaub zurückkamen, erfuhr ich: Sie hatten ebenso wenig WLAN wie wir.
Mist … es lag also doch nicht am Router. Nun blieb mir nichts anderes übrig, als mich doch durch die KI-Telefonitis zu quälen. Oh je, was man da an Nümmerchen parat haben muss … da braucht’s dann auch mal drei Anläufe. „Ich habe Sie nicht verstanden“ – (joa, dass ich die geforderten Zugangszahlen erst suchen muss, überfordert so einen Pseudo-Menschen natürlich).
Immerhin schaffte ich es, das Messen und Prüfen nun endlich wahr werden zu lassen. Es sei was an einer Leitung, der Router sei’s nicht … man wisse nicht, ob innerhalb oder außerhalb des Hauses. Und man nahm, ENDLICH, meinen Hinweis auf Baustelle und synchrones nachbarliches Abgenabeltsein ernst.
Der Techniker erschien – am nächsten Tag: „Auf der Baustelle ein Kabel geschreddert – das dann leider schon einbetoniert – wir müssen per Tiefbau dran, das dauert“.
Zufällig gab es im Ort, bei uns in der Straße allerdings nicht, einen Stromausfall. Meine Freundin, die davon betroffen war, witzelte: „Naaa? Wenn duuu schon mal einen Stecker in die Steckdose steckst, dann hat das halbe Dorf keinen Strom mehr!“. Immerhin funktionierten meine Lachmuskeln noch … aber die sind ja auch analog.
Nach weiteren 4 Tagen nachbarschaftliches Jubeln: Es geht wieder alles!
Ich versuchte, vergeblich natürlich, den Router zu connecten. Für zwei Sekunden geisterte zwar die Meldung durchs Endgerät: Internet! – aber man braucht es doch etwas länger. Und da war leider nichts zu machen.
Ich, also abermals ins Kostüm der Problem-Nervensäge geschlüpft, mittlerweile befähigt, elegant über alle KI-Hürden zu hopsen.
„Na-hein, der XXY 7 ist da etwas komplizierter, was haben die Ihnen denn erzählt?“ – „Na, dann brauche ich leider technische Hilfe! Ich kann so was nicht und habe auch keinen Spaß dran!“
Schon wieder ein neuer Vertrag, schon wieder ein paar Euronen mehr, damit ich den Techniker auch schnell engagieren kann. Eigentlich hätte da ja was aufs T-Haus gehen müssen, denn ich bin definitiv unschuldig an all den Problemen … aber dieser Fall ist halt nirgends vorgesehen.
Nebenbei wurde übrigens noch festgestellt, dass man fälschlicherweise einen anderen Router, irgendwo in unserer Straße, mit unserer Leitung verbunden hat. Das muss auch erst noch entzwirbelt werden. So was würde ich ja als Küchen“latein“ deuten (oder was auch immer die richtige Sprachbezeichnung wäre), hätte ich es nicht mit eigenen Ohren gehört.
Und so spreche ich gerade das Mantra: Es-liegt-nicht-an-deiner-Doofheit, es-liegt-nicht-an-deinem-Jahrgang. Der Teufel, ja der, hat sich in den Details eingenistet, um dir mal so richtig einzuheizen.
Immerhin habe ich eine freundlich-magentafarbene Flatrate für mein Tablet bekommen, das ich ohne Hilfe (ja) zum Hotspot zu verwandeln imstande war. So konnte ich wenigstens arbeiten und das, was sich angestaut hatte, abschicken. Heute ist ja auch schon der zweite Mittwoch nach dem toten Dienstag.
Bilanz: in der magentafarbenen Welt ist es so wie im wirklichen Leben, man trifft kompetente, hilfsbereite Menschen, das Gegenteil von alldem und vieles dazwischen. Mal sehen, in welche Kategorie der Techniker passt, der die Geschichte morgen hoffentlich zu Ende bringt – bitte in die erste.
Marlies Blauth




