Mittwoch, 24. Juni 2026

Eine Glosse in Pink ... nee, Magenta

 



Wie man zu einer Problembärin wird, ohne es zu wollen

Eine Glosse in Pink … äh, Magenta


Die Geschichte beginnt damit, wie solche Geschichten immer beginnen: Eines schönen Dienstags wurden wir – von jetzt auf gleich – zu fast-analogen menschlichen Existenzen gemacht. Beinahe alles Digitale, bis auf Handys und Tablets, war wie weggehext. Und es blieb tot, da konnte man hoffen und aus- und einstöpseln wie man wollte. Mausetot.

Da ich in der misslichen Lage keine Lust hatte, mich mit KI-Telefongesprächen („-gesprächen“) abzuplagen, sondern lieber einen lebenden Menschen treffen wollte, fuhr ich also in die nächste Stadt, wo es einen dieser dunkelrosa Läden gab. „Es ist ziemlich sicher der Router!“, behauptete einer der sportlich-attraktiven jungen Männer, „schade, dass Sie Ihren nicht gleich mitgebracht haben für einen Austausch“. Meine Einwände waren zahlreich: „Den haben wir noch gar nicht lange!“ – „Och, der eine hält eben länger, der andere geht schnell kaputt!“ – „Und: Wir haben vor dem Haus eine große Baustelle, könnte da nicht …“ – (Totstellen … denn was labert die Frau da, die von nix ne Ahnung hat) – „Einen neuen kann ich leider nicht installieren!“ – „Sie werden doch wohl einen Stecker in die Steckdose stecken können! Alles andere macht das Gerät selbst!“ Nun, das ließ hoffen. Aber zuvor veranlasste ich doch noch, dass man mal prüft und misst (das geht ja wirklich, so aus der Ferne … faszinierend!), woran „es“ eigentlich liegt. Die Baustelle könnte ja schließlich doch der Bösewicht sein. Oder nicht?

Wir vereinbarten, fast besser als in einer Arztpraxis, einen Rückruf an mich (mit Infos über die Ursache) um 9 Uhr am übernächsten Tag. Man hätte also stundenlang messen und prüfen können … aber irgendwie hatte das irgendwer dann wohl doch nicht auf dem Schirm oder sonstwo. Der Anruf, der meinen Router hätte rehabilitieren können, kam einfach nicht.

So schnappte ich mir das angeblich defekte Teil und fuhr nochmals zu meinem Ziel in Pink. Der Austausch ging in nullkommanix, leider war die Miete für das hochmoderne Dings ein paar Euro teurer (was meine Laune umgekehrt proportional ein paar Zentimeter runterrutschen ließ … aber wat mut dat mut), ich vergewisserte mich, ob das nun auch stimmt mit „nur in die Steckdose“ („Jajaja, das ist nicht mehr so wie früher!“).

Zu Hause schafften wir zwei Dinge: Erstens die Steckdose, zweitens den Namen der Neuerwerbung auf den Endgeräten wiederzufinden … aber die digitale Verbindung blieb ein Wunschtraum.

Als unsere Nachbarn aus ihrem Urlaub zurückkamen, erfuhr ich: Sie hatten ebenso wenig WLAN wie wir.

Mist … es lag also doch nicht am Router. Nun blieb mir nichts anderes übrig, als mich doch durch die KI-Telefonitis zu quälen. Oh je, was man da an Nümmerchen parat haben muss … da braucht’s dann auch mal drei Anläufe. „Ich habe Sie nicht verstanden“ – (joa, dass ich die geforderten Zugangszahlen erst suchen muss, überfordert so einen Pseudo-Menschen natürlich).

Immerhin schaffte ich es, das Messen und Prüfen nun endlich wahr werden zu lassen. Es sei was an einer Leitung, der Router sei’s nicht … man wisse nicht, ob innerhalb oder außerhalb des Hauses. Und man nahm, ENDLICH, meinen Hinweis auf Baustelle und synchrones nachbarliches Abgenabeltsein ernst.

Der Techniker erschien – am nächsten Tag: „Auf der Baustelle ein Kabel geschreddert – das dann leider schon einbetoniert – wir müssen per Tiefbau dran, das dauert“.

Zufällig gab es im Ort, bei uns in der Straße allerdings nicht, einen Stromausfall. Meine Freundin, die davon betroffen war, witzelte: „Naaa? Wenn duuu schon mal einen Stecker in die Steckdose steckst, dann hat das halbe Dorf keinen Strom mehr!“. Immerhin funktionierten meine Lachmuskeln noch … aber die sind ja auch analog.

Nach weiteren 4 Tagen nachbarschaftliches Jubeln: Es geht wieder alles!

Ich versuchte, vergeblich natürlich, den Router zu connecten. Für zwei Sekunden geisterte zwar die Meldung durchs Endgerät: Internet! – aber man braucht es doch etwas länger. Und da war leider nichts zu machen.

Ich, also abermals ins Kostüm der Problem-Nervensäge geschlüpft, mittlerweile befähigt, elegant über alle KI-Hürden zu hopsen.

„Na-hein, der XXY 7 ist da etwas komplizierter, was haben die Ihnen denn erzählt?“ – „Na, dann brauche ich leider technische Hilfe! Ich kann so was nicht und habe auch keinen Spaß dran!“

Schon wieder ein neuer Vertrag, schon wieder ein paar Euronen mehr, damit ich den Techniker auch schnell engagieren kann. Eigentlich hätte da ja was aufs T-Haus gehen müssen, denn ich bin definitiv unschuldig an all den Problemen … aber dieser Fall ist halt nirgends vorgesehen.

Nebenbei wurde übrigens noch festgestellt, dass man fälschlicherweise einen anderen Router, irgendwo in unserer Straße, mit unserer Leitung verbunden hat. Das muss auch erst noch entzwirbelt werden. So was würde ich ja als Küchen“latein“ deuten (oder was auch immer die richtige Sprachbezeichnung wäre), hätte ich es nicht mit eigenen Ohren gehört.

Und so spreche ich gerade das Mantra: Es-liegt-nicht-an-deiner-Doofheit, es-liegt-nicht-an-deinem-Jahrgang. Der Teufel, ja der, hat sich in den Details eingenistet, um dir mal so richtig einzuheizen.

Immerhin habe ich eine freundlich-magentafarbene Flatrate für mein Tablet bekommen, das ich ohne Hilfe (ja) zum Hotspot zu verwandeln imstande war. So konnte ich wenigstens arbeiten und das, was sich angestaut hatte, abschicken. Heute ist ja auch schon der zweite Mittwoch nach dem toten Dienstag.

Bilanz: in der magentafarbenen Welt ist es so wie im wirklichen Leben, man trifft kompetente, hilfsbereite Menschen, das Gegenteil von alldem und vieles dazwischen. Mal sehen, in welche Kategorie der Techniker passt, der die Geschichte morgen hoffentlich zu Ende bringt – bitte in die erste.

 

 

Marlies Blauth

 














 

 

 

 

 








Samstag, 20. Juni 2026

Steingärten – Scheinblüten | Ausstellung

 






Liebe Gäste!


Für einen Moment möchte ich Sie – gedanklich – ins ausgehende Mittelalter „entführen“. Da hat es den Vorgängerbau dieser Kirche schon gegeben, und es war eine ähnliche Umbruchszeit wie die heutige. Der Buchdruck etablierte sich, es wurden immer wieder neue Entdeckungen gemacht – vor allem geografische: von Christoph Columbus hat wohl jeder schon gehört –, die Wissenschaft formierte sich usw.

Einige Leute, vor allem wohlhabende, die sich dazu als „weltoffen“ geben wollten, begannen, Sammlungen anzulegen, vielfach mit Dingen aus Übersee, das war ja alles neu und unbekannt und rätselhaft. Aber nicht nur aus fernen Ländern stellte man Objekte zusammen. Alles wurde in so genannten Wunderkammern aufbewahrt und präsentiert.

Diese Sammlungen waren übrigens Vorläufer unserer Museen, folglich auch Vorläufer von Ausstellungen.

Was war dort zu sehen? Man kann im Großen und Ganzen zwei Kategorien nennen:

– Naturalia (Dinge aus der Natur – z. B. Korallen, Schneckengehäuse, präparierte exotische Tiere, Herbarien – getrocknete Pflanzen und Pflanzenteile –, und auch Steine, Versteinerungen und Edelsteine) und

– Artificialia (von Menschen gemachte Dinge, also im weitesten Sinne Kunst)

Es gibt einen bekannten Film über Martin Luther, in dem Friedrich der Weise von Sachsen zu sehen ist, herrlich gespielt von Sir Peter Ustinov, inmitten seiner Sammlung – die angeblich an die 19.000 Ausstellungsstücke umfasste. In diesem Fall waren es übrigens noch hauptsächlich Reliquien, aber der Grundgedanke der Wunderkammer war geboren.

In dieser Kirche hier in Hagen können Sie einen sensiblen Rest, einen Hauch der Wunderkammer-Sammlungen erkennen – natürlich ganz anders, als es vor 500 Jahren üblich war.

Vielleicht haben Sie hier und da schon auf die Platten des Fußbodens geblickt? Da sehen Sie an manchen Stellen naturgemachte Schönheiten, nämlich pflanzenartige, sich aufs Feinste verzweigende Strukturen. Nachher können Sie herumlaufen und sie suchen und sich ansehen.

„Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet“ – so dichtete Joachim Neander. Gemeint war: kunstreich, kunstvoll. Seine Worte beziehen sich selbstverständlich auf den Schöpfer und die Menschen, aber „kunstvoll und fein“ passt genauso für diese Gebilde im Stein. Die eben nicht von Menschenhand entstanden sind. Ich komme nachher noch einmal darauf zurück.

Und wenn Sie nun nach OBEN blicken, in die Gewölbe dieser Kirche: Da entdecken Sie gemalte pflanzlich-geometrische Formen. Die Natur war Vorbild, aber Menschen haben die Ornamente entworfen und aufgebracht. Da haben Sie dann diesen „artifiziellen“ Gegenpol. Oben und unten ergänzen sich in diesem Raum hervorragend – oben das Kunstschöne, unten das Naturschöne.

Ich bin ausgebildete Künstlerin, unter anderem Künstlerin des Hagenring – einer Künstlergemeinschaft, die 2024 ihr hundertjähriges Bestehen feierte, unter anderem mit einer Gemeinschaftsausstellung im Osthausmuseum. Von mir waren dort Variationen pflanzlicher Ornamente zu sehen, deren Vorbilder größtenteils Ausmalungen in Kirchen sind – so ähnlich wie hier in den Gewölben.

Pfarrerin Eßer zeigte mir daraufhin die Strukturen auf den Fußbodenplatten der Johanniskirche – die an Pflanzen erinnern, aber gar nichts damit zu tun haben – und fragte an, ob ich mir ein künstlerisches Projekt in diesem Zusammenhang vorstellen kann.

Ich liebe die Herausforderung, habe allerdings von Geologie überhaupt keine Ahnung. Immerhin konnte ich erfahren, dass diese Strukturen eben keine Fossilien sind, keine Abdrücke oder Versteinerungen von Pflanzen, sondern das Ergebnis chemischer Prozesse: die Verästelungen in schwarzen, braunen oder bläulichen Tönen sind durch das Einsickern und eine anschließende Auskristallisierung von Eisen- und Manganverbindungen entstanden.

So kam der Titel der Ausstellung Steingärten – Scheinblüten zustande.

„Scheinblüten“ ist ein Begriff aus der Biologie: Was wie eine Blume oder eben Blüte aussieht, ist manchmal zusammengesetzt aus anderen Teilen einer Pflanze. Der Weihnachtsstern ist ein bekanntes Beispiel, man meint, leuchtend rote Blüten zu sehen, es sind aber „normale“ Blätter, nur eben nicht grün. So ähnlich ist es eben hier auf den Steinplatten: Wir sehen Pflanzen, die keine sind.

Mit „Steingärten“ sind eigentlich Gärten gemeint, in die man Pflanzen aus den Alpen gesetzt hat, dazwischen Felsfragmente, um dem ursprünglichen Biotop möglichst nahe zu kommen. Hier, bei uns, ist es das Gestein selbst, auf dem sich sozusagen Gärten und Wälder zeigen.

Nicht nur die belebte, sondern auch die unbelebte Schöpfung kann immer wieder zum Staunen bringen – wenn man nur genau hinschaut. Wir Künstlerinnen und Künstler haben die Aufgabe, auf Details, Unbekanntes, Staunenswertes hinzuweisen – „Kunst macht sichtbar“, sagte einst Paul Klee (der Aufsatz, in dem dieses Zitat erschien, heißt interessanterweise „Schöpferische Konfession“).

 Ich habe diese so genannten Dendriten, Verzweigungen, die an Bäume und Sträucher denken lassen, als Grundlage meiner künstlerischen Arbeit genommen: fotografiert, gezeichnet, gemalt, übermalt, mit der Radiernadel bearbeitet – so dass eine Fülle von Variationen entstand. Keine 19.000 wie bei Friedrich dem Weisen, aber an die 40 kleine Originale, aufgezogen auf Leinwände im Format 20 cm x 20 cm. Die Ausstellung ist als „Benefiz-Ausstellung für den Turm“ angekündigt: für die Sanierung des Turms der Johanniskirche. Wenn Sie möchten, können Sie Ihr Lieblingsbild erwerben – für je 100 Euro, die Hälfte (also je 50 Euro) geht an das Sanierungsprojekt.

Nun ein paar Worte zu mir und meiner Arbeit: Mein Jahre langes Studium – mit zwei Abschlüssen – führte dazu, dass ich verschiedene Dinge mache, die allerdings alle in einem inneren Zusammenhang stehen. Ich arbeite als Künstlerin und Autorin (ich schreibe Lyrik und habe kürzlich meinen fünften Gedichtband herausgebracht), außerdem bin ich ehrenamtliche Mitarbeiterin in der Evangelischen Kirche im Rheinland. Geboren und aufgewachsen bin ich hier in der Nähe, in Dortmund, wo ich mit 14 Jahren meine künstlerische Laufbahn als Jungstudentin begonnen habe.

Meine Ausstellung geht bis in den späten Sommer, zum Ende hin werde ich meine Gedichte in Form einer Lesung – hier – präsentieren. Vielen Dank!

 

Marlies Blauth / eigene Einführung zu meiner Ausstellung, gehalten am 13. Juni 2026






























Mittwoch, 27. Mai 2026

Grüße vom Bücherbummel Düsseldorf / Pfingsten 2026

 










Am 22. Mai 2026 las ich im Zelt der GEDOK

aus meinem Buch das Rot eines kühlen Montags.





Nach getaner Arbeit.

Foto: Dorothée Haeseling














Sonntag, 10. Mai 2026

"Gewölle im Gewölbe" in Österreich

 







Am 9. Mai 2026 erschien mein Gedicht 

in einer Beilage des österreichischen Standard.
















Sonntag, 3. Mai 2026

*Zwischen uns* // Hrsg. Ruhrpoeten

 




Auch Lyrik ist dabei:

 

Ruhrpoeten e. V. (Hrsg.): ZWISCHEN UNS

(6. Ruhrgebiets-Literaturwettbewerb)

 

Klartext Verlag, Essen 2026

ISBN 978-3-8375-2777-3




























Freitag, 24. April 2026

Offene Ateliers in Meerbusch

 








Herzliche Einladung ins

 

Atelier

Rudolf Diesel-Straße 5 b

40670 Meerbusch