Montag, 27. September 2021

Neue Bilder: Blüten

 




 


 

Alle Bilder je ca. 30 cm x 30 cm, Collage und Malerei auf Holz.


































Sonntag, 19. September 2021

Mein drittes Buch ist erschienen!

 





Marlies Blauth

Bilder aus Kohlenstaub

Gedichte und Zeichnungen

edition exemplum

 

1. Auflage 2021, 100 Seiten

mit 43 farbigen Abbildungen,

Broschur 26 x 21 cm

ISBN: 978-3-7455-1102-4

 

 

Bilder aus Kohlenstaub – Erinnerungen an das Ruhrgebiet

Schroff und zart, kraftvoll und sensibel: Die Gedichte und Bilder von Marlies Blauth beziehen sich in direkter Weise auf die Landschaften und Menschen des „alten“ Ruhrgebiets, in dem sie aufwuchs – nicht im Arbeiterhaushalt, der Vater war Musiker, aber ohne jeden Luxus. Die Emscher stank bestialisch, das Phoenixwerk war nicht weit, und den Weg zu den Großeltern, drei Kilometer hin, drei zurück, ging man lange Zeit zu Fuß. Nostalgie ist also nicht angebracht. Marlies Blauth erinnert mit unprätentiöser, aber klangvoller Wort- und Bildsprache an Augenblicke, die ihr Leben prägten – das herzliche „Tschüsken“ der Menschen schwingt immer mit.

















 


Mittwoch, 1. September 2021

Gedicht [an der Pestklappe]

 







an der Pestklappe

 

 

kannst froh sein

dass ich dir wenigstens

ein Wortgerippe durchreiche

in deine schrundigen Finger lege

 

komm du ins Netz

schuldig, Schuldiger

steht da geschrieben

 

du Zerbrecher

der gnadenreichen

+ Ampulle +

 

 

 

 

 

 

 

Text und Bild © Marlies Blauth




Montag, 30. August 2021

#Menschen Tagebuch | 4

 





Waiting for the Sun

 

We race down to the sea

Standing there on freedom's shore

 

The Doors

 

 

 

Warten. Worauf eigentlich?

„Nun schon anderthalb Jahre“, höre ich eine Frau in der Straßenbahn sagen, „wie lange denn noch?“ In ihrer Stimme liegt leise Verzweiflung, keine Ungeduld. Diese ständig aufploppenden Fragezeichen! Was ist das Ziel, das wir erreichen müssen, um wieder so leben zu können, wie wir es gewöhnt sind? Hat das eigentlich irgendjemand definiert? Wir haben gehört „Flatten the curve“, „ … nicht überlasten“, „Wenn ein Impfstoff da ist“, „Wenn alle ein Angebot haben“, „Wenn die ganze Welt …“.

Ich denke an Aschenputtel. Die böse Stiefmutter und ihre verhätschelten Töchter gaben dem Mädchen unlösbare Aufgaben bzw. so viele Linsen, die aus dem Dreck gesammelt werden sollten, dass sie es nicht schaffen konnte, zum Fest zu erscheinen. Die beiden Täubchen halfen jedoch. In Grimms Fassung von 1812 heißt es: „Als die Schwestern am nächsten Tag die gelesenen Linsen sehen und hören, dass Aschenputtel ihnen – auf dem Fest, M. B. – zusah, lassen sie den Taubenschlag abreißen.“ (nachzulesen bei Wikipedia) Ja.

Vielleicht warten wir auf ein Wunder, hilfreiche Wesen aus dem Nichts, irgendetwas, für das man keine Worte hat. Ist das schon Glauben? Oder einfach nur naiv?

Ich fühle mich hilf-los, weil das Hilfreiche nicht in Sicht ist. Nichts ist in Sicht. Und sprechen können wir auch nicht. Unterwegs haben wir vielfach Masken um, und die Wörter scheinen genauso maskiert. Die viel beschworene Solidarität mündet in ihr Gegenteil, in schier babylonische Sprachverwirrung: Wir verstehen einander nicht mehr. Wörter, die wir scheinbar kennen, sind längst umgewidmet und bedeuten mitunter das Gegenteil von dem, was sie an der Oberfläche sagen. Das Innenleben, lange eingekapselt, quillt nach außen wie bösartige Lava. Was ist gültig? Wir reden aneinander vorbei. Unsere Mimik ist versteckt, die Mimik der Worte ist es auch. Oft schweigen wir, wenn es etwas zu sagen gäbe. Wir überlegen, ob wir mutig sein dürfen. Ob der Mut am Ende vielleicht missmutig macht. So haben wir Geheimnisse. Wir tragen sie, vorsichtig, wie eine Windjacke mit Bleiglöckchen, wie ich in einem Gedicht schrieb. Falsche Wörter sind zur Zeit anders-falsch als noch vor zwei Jahren, sie sprengen den Rahmen, lassen uns aus dem Rahmen fallen. Also halten wir still, warten wir still – und wissen nicht, worauf genau. Denn das Leben, das wir „von früher“ kennen, kommt angeblich ohnehin nicht wieder.

So ähnlich wird es sein, im Altenheim zu leben … und zu warten.

 

 


Marlies Blauth | im August 2021

Text und Bild © Marlies Blauth






 


Donnerstag, 26. August 2021

Ankündigung: mein drittes Buch

 








Marlies Blauth

Bilder aus Kohlenstaub. Gedichte und Zeichnungen.


Athena Verlag Oberhausen, September 2021.












 


Mittwoch, 25. August 2021

Gedicht [brüchige Türme]

 







brüchige Türme

 

komm, lass uns Gott

entschlüsseln

dann sind wir ihm nah

wie noch nie

seine Pläne

schneiden wir durch

und schreiben sie neu

 

was sich da auftürmt

– Mauern und Warten –

münzt unsere Sprache um

das Alte das Neue

wir sind verwirrt

 

schicken Worte zum Himmel

kleben sinnlos Silbe an Silbe

lesen sie aus

die Sequenz

 

 

 

 

 

Text und Bild © Marlies Blauth








 






Donnerstag, 19. August 2021

Gedicht [vom Teufel]

 







vom Teufel

 

täglich tanze ich

um mein Höllenfeuer

hämisch erfreut

über mein leichtes Spiel:

was habt ihr nicht alles

studiert und erforscht

zum Menschenverhalten –

aber den Frieden habt ihr

vergessen zu pflegen;

in seinen Haarrissen

hab ich gepuhlt und gegraben

er wurde brüchig

wie altes Metall –

auf dem Humus getilgter Wörter

habe ich neue gesät

ich schenke euch

ganz devot

eine vergiftete Sprache

wie höllisch einfach:

ihr nutzt sie sofort

lächerlich!

ich gehe damit sogar

in die Kirchen

wie ein Vertreter

kriege die Unterschrift

immer gleich:

beizeiten habe ich

eure heiligen Reste verzerrt

und der schwächelnde Gott

schweigt

 

 

 

 

Text und Bild © Marlies Blauth