Für mich rückt am 13. August, eigentlich dem
Tag des Mauerbau-Beginns der Deutschen Demokratischen Republik, immer etwas völlig anderes in den Fokus:
Die Geburt meines dritten Kindes – auf der
Autobahn. A 57 irgendwo bei Kaarst. Auf dem Standstreifen unter einer
Betonbrücke. Begleitet von einer Ärztin, die noch nie eine Geburt allein
"gemanagt" hat, und einem Kinderarzt, der mich ständig anherrschte:
"Aber das haben Sie doch gelernt!" Meinte der, dass jede Geburt
gleich ist? Ich nicht! Ich hatte Erfahrung mit Notkaiserschnitt und Zangengeburt,
jeweils mit etwa dreißig Wehenstunden zuvor; mit Expressgeburten auf der
Autobahn kannte ich mich leider noch nicht aus.
Nun lernte ich jedenfalls, dass auch 41-jährige
Mütter so was überleben, sogar fit sein können wie ihre zwanzig Jahre jüngeren
Kolleginnen. Kurz zuvor hatte ich noch ganz neidisch – höhööö – von einer
Geburt im Zug gelesen, neidisch deshalb, weil ich eben schon so alt war und
vermutlich nur noch hochmedizinisch betüttelt würde gebären können, wenn
überhaupt. Da hatte ich mich – natürlich mal wieder – von so einigen
beeinflussen lassen, die mit dem Alter der Mütter (also mit meinem)
herumunkten.
Man sollte auf so was gar nicht hören.
So, dann war die Geburt also erledigt. Nicht
schmerzlos, nein, aber doch ziemlich kurz. Kind war in Folie verpackt und „düste“
in Richtung Krankenhaus, wir hinterher. Und ich erinnere mich sehr gut an das
Königinnen-Gefühl, als ich auf der fahrbaren Trage des Rettungsdienstes durchs
Krankenhaus gerollt wurde – herrlich! Denn normalerweise ist man mit diesem
Verkehrsmittel ja höchst malade. Ich hingegen war hormon- und erfolgsgedopt und
hätte am liebsten irgendwas Lustiges in die Krankenhausflure gesungen. Und
gleich würde ich sicher mit Hallo und Sekt empfangen … !
Aber das lernte ich dann auch: Der Mensch mit
seinem – diesmal äußerst wohlmeinenden – Schicksal ist in manchen Krankenhäusern
nicht immer wichtig. Mein erträumter Sektempfang schrumpfte zu einem
missmutigen „Sie sind aber auch nicht mehr die Jüngste“ zusammen. Nichts gegen
diesen Ausspruch, der stimmte ja, und man hätte ihn irgendwie lustig verpacken
können. Aber es kam – wirklich – nichts mehr. Wie zur Strafe, dass man den
Hauptbatzen nicht mehr abrechnen konnte, packte man mich – nach der
Nachuntersuchung – in ein Bett und ließ mich 4 Stunden (!) auf dem Flur (!)
liegen. Meine Nachfragen nach unserem Baby, von dem ich mal gerade das
Geschlecht wusste und das ich ganze 3 Sekunden als Folienpaket gesehen hatte,
verdunsteten jedesmal. Und im Bett in einem Flur zu liegen, in dem ständig
Leute hin- und herlaufen und alle irgendwie „gucken“, interessiert,
mitleidsvoll, hektisch, neugierig, deprimiert, war dermaßen kafkaesk, dass es
zwar vielleicht für meine künstlerische Tätigkeit interessant sein könnte –
aber angenehm war es zu keiner Zeit. Und ich erfuhr eben lange nicht, wie es meinem Kind geht, man
hatte mir nichts-nichts-nichts darüber gesagt. Auf die gute Laune folgten also
Fast-Höllenqualen.
Wieder ein Beispiel für etwas, was in die
Schublade „unnötig“ gehört – wie so vieles. Ein Krankenhaus, in das man nicht
nochmal möchte. Natürlich sehe ich ein, dass ich buchstäblich reingeplatzt bin,
ganz unangemeldet. Und dass niemand auf mich gewartet hat. Aber ich bin selbst
gut im Improvisieren und weiß, was da geht. Und ich kann – reden. Der
Aufenthalt auf’m Flur ließe sich – wenn auch immer noch surreal – durchaus ertragen,
wenn man dafür eine Art Entschuldigung oder jedenfalls Erklärung erhält, etwas
zu trinken und vor allem ein paar liebevolle Infos übers Kind.
Nun – es „hat ja alles jut jejangen“, wie der
Rheinländer sagt!
Willkommen, Andreas, im 17. Lebensjahr. Da
haben wir gemeinsam was durch!
Marlies Blauth
P. S. Es war übrigens an einem Freitag, dem 13., und die Geburt erfolgte um 13.45 Uhr. Also vielleicht doch ein schräges Datum ... man weiß es nicht!
P. S. Es war übrigens an einem Freitag, dem 13., und die Geburt erfolgte um 13.45 Uhr. Also vielleicht doch ein schräges Datum ... man weiß es nicht!
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