Samstag, 26. Mai 2018

Gedicht [Heilige Barbara]




Marlies Blauth, aus der Serie Ruhrgebietsbilder, Collage/ Malerei, 20 cm x 20 cm








Heilige Barbara!


Du bist längst
weitergezogen
bis nach Sibirien.

Als die Menschen hier
Glückauf
wünschten und sangen,
waren Bergwerk und Hütte
voller Arbeit
und voller Tod.

Sie lebten
im Staub.
Es bebte
und lärmte,
und sie riefen
dich,
wenn schlagende Wetter
mit Wucht
riesige Gräber
schlundig rissen
in endloser Tiefe

Familien die
Väter nahmen
und deren Töchter
nicht weinen durften
als sie, in
feine Familien
geschickt, sich sehnten
nach Enge und
Hühnergeruch,
Johannisbeerduft
in den alten Gärten
und immer nur
am Heiligen Abend
die Mutter sahen –

während Staublungen
bergsüchtig machten,
giftige Dämpfe
und kaltes Wasser
in löchrigen Stiefeln
die Kräfte aufzehrten.

Sie kämpften 
die Kumpel
bis zum Ende –

Sankt Barbara
sangen sie
sehr leise,
Sankt Barbara
bei Tag und bei Nacht,
wir fahren nicht mehr
in den Schacht.


Wer bist du,
du Fremde?









veröffentlicht in der Anthologie Soziale Balance, Dorante Edition, Berlin 2010

















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