Samstag, 12. September 2020

#Kohlestaub Tagebuch | 5

 


Eine Dies-und-das-Woche

 

 

Tagelang bin ich nicht im Ruhrgebiet unterwegs.

Aber eine Galeristin kommt ins Atelier, wir besprechen die Ausstellung, die im November stattfinden soll. Dort werden dann auch Kohlestaub-Landschaften gezeigt. Alles immer noch unter erschwerten Bedingungen, mit deutlichen Einschränkungen; es dürfen nur kleinste Gruppen in die Galerie, eine richtige Vernissage ist also nicht möglich. Aber wir nehmen es wie es kommt, ich bin froh, meine Bilder überhaupt präsentieren zu können. Und jedenfalls ist es schön zu planen – nach den vielen Absagen fast Balsam für Seele und jene Hirnregionen, die kreativ sein wollen.







Besonders gefallen ihr meine 40 cm x 40 cm-Formate, von denen im letzten Jahr eine kleine Auswahl in der Galerie Hagenring zu sehen war. Sie seien so dicht, höre ich.

 

 



Außerdem bekomme ich in dieser Woche die Anfrage, die nächste Lyrik in Köln-Broschüre gestalterisch zu ergänzen. Ich reiche in der Hauptsache Bilder in Farbe ein; zwei Kohlestaub-Versionen auch, ich nehme aber an, dass die nicht in Frage kommen.

 



 










 

Ich mache ein paar Kohlestaub-Kleinformate, manchmal will ich sie Skizzen nennen, dann wieder fällt mir auf, dass ich doch in mindestens drei Schichten arbeite(n muss), was der Skizze wohl eher nicht entspricht.

Und ich bestelle endlich neues Arbeitsmaterial, weißes Fotopapier, Leinwände, Passepartouts und Pinsel. Das mit dem weißen Fotopapier – als Malgrund – erweist sich wieder einmal als schwierig, denn das Fotolabor ist es gewohnt, dass auf den Fotodateien bzw. -ausdrucken „was drauf“ ist, Familienfeiern oder Freundinnenportraits. Auf meiner Bestellung ist jedoch – nichts. Nachdem ich mehrfach dann auch nichts bekommen habe, versuche ich nun, telefonisch zu klären, dass ich eine weiße Fläche zum Malen und Zeichnen benötige.

Warum Fotopapier? Ich kann nicht mehr sagen, warum mich dieses glatte, steril wirkende Weiß dazu gebracht hat, ihm alles Mögliche abzuringen, bis hin zu Bleistiftzeichnungen, was „eigentlich“ gar nicht geht. Für den Kohlestaub ist es jedenfalls ein interessanter ästhetischer Gegensatz, vielleicht, weil es solche weißen Flächen im „früheren“ Ruhrgebiet irgendwie nicht gab. Alles, jede Farbe war in nullkommanix mit einem Grauschleier aus Ruß und Kohlestaub überzogen, und Weiß war die exponierte Wird-doch-so-schnell-schmutzig-Farbe. Die außen und innen weißen Häuser, wie sie zumindest vor wenigen Jahren im Trend waren, hätte man sich damals nicht vorstellen können.




 

Nun warte ich also auf meine knallweißen Flächen in 20 cm x 20 cm. Größere wären auch zu haben, aber die rollen sich und knicken (leichter), das geht ästhetisch gar nicht. Große Formate kommen dann als Leinwände; nicht riesig, aber doch groß für eine Pinselzeichnung (40 cm x 80 cm).

 

 

Marlies Blauth | 12. September 2020

 









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